Was das Radio noch so von sich gibt

Radio – das bedeutet bei vielen heutzutage meistens der Empfang via DAB+, Internet und UKW. Doch was ist mit den alten Empfangsmöglichkeiten Kurz-, Mittel- und Langwelle geworden? Obwohl kein deutscher Sender diese Art der Übertragung mehr nutzt, bedeutet es nicht, dass man darüber nichts mehr empfangen kann. Im Gegenteil – ausländische Sender lassen sich auch hier, dank der Charakteristik des Mediums (Überreichweiten!), recht gut empfangen.

Beginnend bei der Kurzwelle gibt es noch einige Radioanstalten, welche regelmäßig ein deutschsprachiges Programm in Richtung Europa senden. Dieses ist, je nach Ausbreitungsbedingungen und Störungen vor Ort, auch gut zu empfangen – obwohl die Signale zum Teil mehrere tausend Kilometer entfernt ausgestrahlt werden. Die Programme können nicht rund um die Uhr empfangen werden, sondern nur zu bestimmten Zeiten und auf wechselnden Frequenzen: Da die Kurzwelle sich global ausbreiten kann und es nur einen begrenzten Frequenzbereich gibt, bei welchem sich die Nutzbarkeit auch mit der Tageszeit ändert, muss eine Anpassung an diese Gegebenheiten erfolgen. So sind manche Frequenzen erst in der Nacht oder am Abend nutzbar, am Tag bricht die Reichweite ein, sodass Zielgebiete unter Umständen nicht mehr erreicht werden können.
Meistens wird in deutscher Sprache am Morgen oder am Abend gesendet. Wann welcher Sender zu empfangen ist, kann über die jeweilige Webseite in Erfahrung gebracht werden. Hilfreicher sind Webseiten, welche diese Infos gesammelt anbieten. Dadurch kann man sich recht einfach eine Übersicht zusammenstellen, was wann und wo zu hören ist. Eine solche Seite ist short-wave.info. Hier bekommt man sehr schnell einen Sendeplan zusammengestellt für beispielsweise deutschsprachige Programme. Aktuelle Sender die regelmäßig auf Deutsch Richtung Europa senden sind z.B. China Radio International, KBS World Radio, Radio Taiwan International, Radio Romania International und Voice of Vietnam. In deren Programmen erfährt man viel über Kultur, aktuelle Nachrichten und Geschichte des jeweiligen Landes. Da die Redaktionen direkt vor Ort sitzen, bekommt man auch Details mit, welche in den hiesigen Medien untergehen und man erfährt deutlich mehr über aktuelle Geschehnisse.
Aber nicht nur Radio wird über die Kurzwelle ausgestrahlt. Auch sogenannte Zahlensender können zum Teil mit einem normalen Weltempfänger empfangen werden. Diese Art von Sender wird von Geheimdiensten genutzt, um ihren Spionen Nachrichten zukommen zu lassen. Die Nachrichten sind codiert und verschlüsselt – sodass man selbst vom eigentlichen Inhalt nicht viel mitbekommt. Die Webseite priyom.org bietet einen Überblick über aktuell sendende Zahlensender.
Wenn man das Kurzwellenband außerhalb der offiziellen Bereiche für den Rundfunkempfang durchsucht (ein entsprechendes Gerät vorausgesetzt), findet man auch immer wieder Sender, nur Musik senden oder keinen ersichtlichen Zweck erfüllen.

Bei der Mittel- und Langwelle sieht es ähnlich aus. Auch hier können noch viele verschiedene, Rund um die Uhr sendende, Sender empfangen werden – allerdings nicht auf Deutsch und auch nicht durchgehend – je nach Empfangsbedingungen. Da auch die Mittel- und Langwelle Überreichweiten aufweisen, kann es manchmal vorkommen, dass man zwei oder mehrerer Sender gleichzeitig empfängt, da sie auf der selben Frequenz senden. Hier recht gut empfangbare Mittelwellenstationen sind RTBF La Premiere aus Wavre (Belgien), Český Rozhlas Dvojka aus Liblice (CZ), Groot Nieuws Radio aus Flevoland (NL) sowie TalkSport und Absolute Radio aus Großbritannien.
Über Langwelle sind Stationen wie Europe 1 (Frankreich) und RTL (Luxemburg) empfangbar.

Für den Empfang benötigt es ein Radio, welches die jeweilige Übertragunart beherrscht. Dies kann z.B. ein kleiner, transportabler Weltempfänger oder ein großes Stationsgerät sein. Da der Empfang auch stark von der näheren Umgebung beeinflusst wird (so können z.B. Leuchtstoffröhren und PLC sehr störend wirken), empfiehlt es sich etwas zu experimentieren, um den bestmöglichen Empfang zu erreichen. Dies beginnt beim Abschalten vom störenden Elektronikgeräten bis hin zum Standortwechsel. Wer keinen Empfänger hat kann auf einen WebSDR-Dienst (z.B. den der Universität in Enschede) zurückgreifen. Dabei handelt es sich um ein “Radio im Internet” worüber man die am Standort des WebSDR empfangbaren Stationen über das Internet hören kann. Somit kann man auch ohne ein eigenes Empfangsgerät KW, LW und MW hören – ein Computer mit Internetanschluss reicht.